Seit Dädalus und Ikarus träumt die Menschheit davon, die Welt von oben, mit den Augen der Götter, zu betrachten. Es gelang ihr erst im späten 19. Jahrhundert - mit Heißluftballons, Zeppelinen und schließlich dem Flugzeug. Neben den Militärs waren es vor allem Archäologen, die die Möglichkeiten dieser neuen Perspektive erkannten und gemeinsam mit der ebenfalls noch jungen Photographie für sich zu nutzen wußten. Von 1879 datiert die erste Luftaufnahme eines archäologischen Monuments, der Ruinen von Persepolis; ein halbes Jahrhundert später hatte sich die Flugbildarchäologie als Forschungsmethode bereits etabliert: Strukturen von alten Stadtanlagen, verschüttete oder versandete Nekropolen, steinzeitliche Kultstätten oder antike Bewässerungssysteme erschließen sich von oben gesehen weitaus deutlicher, werden oft erst aus der Luft erkennbar. Georg Gerster, geb. 1928 in Winterthur, ist einer der erfahrensten und prominentesten Flugbildphotographen unserer Zeit. In 51 Ländern auf allen fünf Kontinenten dokumentierte er seit den 60er Jahren archäologische Stätten jeder Größenordnung, Epoche und Kultur: von Stonehenge bis zur chinesischen Mauer, von der Akropolis, den Tempeln von Abu Simbel, die dem Assuan Staudamm weichen mußten, bis zu aztekischen Kultstätten in Mexiko und monumentalen Steinzeichnungen in der kalifornischen Wüste. Seine Farbaufnahmen sind nicht nur bestechend präzise Dokumente und technische Meisterleistungen, sondern auch ästhetisch faszinierende, ungekannte Blicke auf unsere Welt. Die Monographie mit 251 ausgewählten Farbtafeln begleitet eine Ausstellung von Gersters archäologischen Flugbildern, die am 26. 9. 2003 im Ruhrlandmuseum Essen eröffnet wird. Schirmer/Mosel, 2003, 23.5 x 29 cm, 408 Seiten, 251 Farbtafeln, 260 Illustrationen, Gebundene Ausgabe