Die immer noch allgegenwärtigen Spuren der Gewalt, wie sie sich in öffentlichen und privaten Archiven der Stadt Belfast manifestieren, dokumentiert in einem ungewöhnlichen Fotoessay von Claudio Hils. Die Erfahrung von Gewalt hat sich tief in das kollektive Bewusstsein von Belfast eingegraben. In jedem Archiv der Stadt, das fotografische Mittel zur objektiven Beweisführung für die Auswirkungen von Gewalt verwendet, finden sich Spuren des Konflikts. Medizinische Röntgenaufnahmen zeigen den Körper als Ort von Traumata; Polizeifotos geben Tatorte genauestens wieder; Überwachungskameras militarisieren den öffentlichen Raum. Jene Archive sind umfassend, systematisch aufgebaut und werden ständig genutzt. Dagegen werden private und halböffentliche Sammlungen von Memorabilien des Konflikts gerade in offizielle öffentliche Archive umgewandelt, nämlich sobald solche Gegenstände - Uniformen, Propaganda - nicht mehr benutzt werden. Man überführt sie in einen neuen Kontext und macht sie so zu historischen Artefakten. Archive_Belfast beobachtet, wie Geschichte geschrieben wird. Hatje Cantz, 2004, 144 Seiten, Gebundene Ausgabe, deutsch/englisch