Books / Urbanismus / Schrumpfende Städte. Band 2: Handlungsanweisungen
Man mag den Begriff der schrumpfenden Städte als semantischen Missgriff erachten, verschwinden wird er nicht. Dass er im Gegenteil inzwischen zu einem Synonym für einen neuen und kreativen Blick auf die Stadt geworden ist, der sich von Wachstumsorientierungen gelöst hat, ist zu einem erheblichen Teil dem Initiativprojekt “Schrumpfende Städte” zu verdanken. Mit der zweiten Veröffentlichung nach den “Internationalen Untersuchungen” wird ein umfassendes Kompendium für den Umgang mit Stadt auf der Basis der neuen Bedingungen vorgelegt. In ihr werden neben die im Rahmen des Projekts erarbeiteten konkreten Arbeiten vorgestellt und in einen umfassenden theoretischer Diskurs über den gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Kontext aktueller Stadtentwicklungsproblematik eingebettet. Das in Analysen, Interviews und Essays ausgebreitete Panorama an Positionen macht das Buch zu einer unabdingbaren Anschaffung für jeden, der aktuelle Diskussionen der Stadtplanung verfolgen will.
Zu den komplexen Inhalten sollen an dieser Stelle drei Anmerkungen die Empfehlung unterstreichen. Zum ersten wird die Diskussion um schrumpfenden Städte in einem weltweiten Horizont verortet und in diesem diskutiert. Das nicht auf Deutschland oder Ostdeutschland reduzierte Phänomen der schrumpfenden Stadt erhält so eine andere Dimension, der Austausch von Erfahrungen ermöglicht, da in anderen Städten die Rückgangsprozesse schon früher einsetzten. Auch werden historische Bezüge aufgebaut, aus denen Anregungen für neue Konzepte zu erhalten sind.
Zum zweiten sind trotz dieser unterschiedlichen Zeithorizonte wenige Instrumente implementiert, die in der Langzeitbeobachtung ihre Wirksamkeit hätten erweisen können. Der dadurch notwendigerweise entstehende Charakter des Experimentellen erlaubt es, dem Handeln die Option des Irrtums und des Scheiterns zuzugestehen, vorausgesetzt, dass das Handeln überhaupt gewagt wird.
Zum dritten lässt sich anmerken, dass in dem bunten Strauß an Handlungskonzepten sich zwei Tendenzen herausschälen lassen, die einer weiteren Vertiefung wert sind und auch von vom Schrumpfen nicht betroffenen Städte beachtet werden sollten. Zum einen bekommt die Option der Zwischennutzung eine Chance, der das Instrumentarium den Rahmen geben muss, um wirkungsvoll sich entfalten zu können. Zum anderen drohen die Städte sozial auseinander zu brechen. Zusammenhänge mit räumlichen Programmierungen zeichnen sich ab, die der Diskussion um die europäischen Stadt eine neue Dimension verleiht. Dieser Zusammenhang ist aber nicht durch eine Reduktion auf Aufmerksamkeit für Gründerzeitviertel und Stadtzentren, und schon gar nicht durch das Nachbauen alter Städte als Kulisse herzustellen. Es gilt, von einem Stadtmodell der Vergangenheit zu lernen und es neu zu interpretieren.
Rezension: Christian Holl
Im Umgang mit schrumpfenden Städten geraten klassische Stadtplanung und Städtebau an ihre Grenzen. Angesichts dieser neuen Herausforderung werden neue Wege beschritten, neben die hard tools baulicher Interventionen treten soft tools kultureller, sozialer, politischer und kommunikativer Interventionen. Das Buch gibt einen internationalen Überblick über experimentelle Handlungskonzepte für schrumpfende Städte aus den Bereichen Architektur, Landschaftsarchitektur, Städtebau, Medien, Performance und Kunst. Die Ansätze der Arbeiten reichen von künstlerischen Eingriffen und Self-Empowerment-Projekten über architektonische und landschaftliche Interventionen, Strategien medialer Kommunikation, Netzwerkbildung und des Stadtmarketings bis zu neuen Gesetzesregeln und utopischen Entwürfen. In einer Reihe von Essays werden die vorgestellten Projekte aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Russland, Japan und anderen Ländern kritisch diskutiert, erfolgreiche wie gescheiterte Planungen und Projekte der letzten Jahrzehnte erörtert.
(Verlagstext)
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