Books / Kunst / Geschichte & Theorie / Ordnungen der Sichtbarkeit. Fotografie in der Wissenschaft, Kunst und Technologie
In den letzten Jahren zeigt sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften ein zunehmendes Interesse an Fragen der Bildlichkeit, der Repräsentation und der Visualisierung. Die einzelnen Beiträge des Bandes diskutieren die Debatten um die fotografische Eroberung der Sichtbarkeit an Beispielen aus Medizin, Physik, Anthropologie, Spiritismus, Rechtsprechung, Literatur und bildender Kunst. Indem die künstlerischen, wissenschaftlichen und sozialen Aspekte der Fotografie hier erstmals in einer vergleichenden Zusammenschau diskutiert werden, eröffnet der Band Perspektiven auf eine neue Wissenschaft vom Bild. ''Die Frage nach Praktiken der Visualisierung ist in den letzten Jahren ein wichtiges gemeinsames Arbeitsfeld von Wissenschaftsgeschichte, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft geworden. Im technischen Zeitalter ist die Sichtbarkeit von Dingen durchaus nicht selbstverständlich und «evident», sondern muss in vielen Bereichen jeweils erst ermittelt und hergestellt werden. Der von Peter Geimer herausgegebene Sammelband führt das anhand der Photographie beispielhaft vor. Am Ende des 19. Jahrhundert war die junge Technik utopisches Versprechen darauf, dass die Dinge sich selbst unverstellt abbilden könnten: Der Romanautor Emile Zola träumte sich ebenso als photographischer Erfasser sozialer Wirklichkeiten wie der Berliner Physiologe Fritsch, der anhand der mikrophotographischen Abbildung menschlicher Haare endlich eine exakte Wissenschaft von den menschlichen Rassenunterschieden begründen wollte. Je mehr den forschenden Männern hinter dem Objektiv mit Bildern aus dem Körperinnern und Fotos extrem schnell bewegter Objekte die Visualisierung vorher unsichtbarer Phänomene gelang, desto stärker gerieten ihnen allerdings auch die Grenzen zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Darstellung ins Schwimmen. Die Suche nach der exakten und objektiven Selbstabbildung der Natur produzierte bildmächtige Pannen, Manipulation und das opake Rauschen der Bilder. Fazit: Es ist der Wunsch nach Exaktheit, der den Patzer erzeugt. Evidenz ist, wenn es schief geht. «Der Staub zeigt uns, dass es das Licht gibt», resümiert Georges Didi-Hubermann schliesslich elegant und etwas melancholisch.'' (Neue Zürcher Zeitung)Suhrkamp, 2001, 443 Seiten, Broschiert
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