Books / Grafik & Design / Das große Lexikon der DDR-Werbung
Werbung sollte in der DDR zum Kauf der Waren animieren, den Kunden informieren und Leitbilder des Konsums propagieren. Dabei ging es um den Absatz von Ladenhütern, aber auch um den Kaufanreiz für neu entwickelte Waren. Mit der Herstellung neuer Technik für die Haushalte, neuer Geräte für den Urlaub und zum Camping, neuer Kosmetik, künstlicher Nahrungsmittel und synthetischer Stoffe wurde die Werbung in der DDR geradezu zwingend, sie mußte auch Überzeugungsarbeit leisten. Dabei nutzte sie fast alle Spielarten des Metiers, von der Anzeige bis zum Werbefilm. Man gestaltete Schaufenster, führte Plakatwettbewerbe durch, gründete das Werbefernsehen, brachte Werbefunk und schaltete Kuponanzeigen. Neue Herstellungstechniken und die Möglichkeiten des Fernsehens prägten den Stil der Kampagnen ebenso wie der Einfluß westlicher Werbung. Doch Mitte der 1970er Jahre war alles vorbei. Und heute ist jede Quellenrecherche zur Werbung in der DDR ein mühsames Unterfangen. Werbung war ein Stiefkind der Planwirtschaft und der Archive. Wenig wurde aufgehoben und aktenkundig aufbewahrt. Wer sich mit der Geschichte der Werbung in der DDR im weiten Sinne, d. h. ihren Medien, Machern und Kampagnen, beschäftigen will, benötigt vor allem ein Repertoire an zusätzlichen Suchwörtern und -begriffen, um in den Archiven, Bibliotheken und Antiquariaten fündig zu werden. Das Lexikon der DDR-Werbung benennt die wichtigsten Werbekampagnen und -institutionen, bekannte und unbekannte Produkte, ihre Hersteller sowie die Markennamen, gibt interessante Hintergründe und Anekdoten wieder, führt Werbeverse und Slogans auf, enthält die Namen bekannter und weniger bekannter Grafiker, erklärt typische Fachbegriffe, die in der Werbung der DDR benutzt oder definiert wurden, und zeigt die Eigenarten spezieller Werbemedien und ihren Einsatz in der Planwirtschaft auf. Die Ausführungen zu den rund 350 umfangreichen Schlagwörtern bieten nicht nur Informatives, sondern in Bild und Text auch Unterhaltsames. So werden neben den Entstehungsdaten und Abbildungen von Werbefiguren wie Meister Malimo, Spezitex-Detektiv oder dem Minol-Pirol auch die Verse wiedergegeben, die diese Schöpfungen begleitet haben. Die Stichwortliste enthält ebenso die Namen der wichtigen Grafiker als auch Begriffe der Wirtschaftspropaganda, denn in der Werbung der DDR waren die Grenzen sowohl zu den Künsten als auch zur politischen Propaganda fließend. Mit dem Lexikon zur Werbung in der DDR liegt nun eine erste umfangreiche Stichwortsammlung zu diesem bislang nur wenig beschriebenen Gebiet vor.über die AutorinSimone Tippach-Schneider wurde 1962 in Warnemünde geboren. Mit 17 Jahren lernte sie Dekorateurin in Rostock, studierte ab 1981 drei Jahre Werbeökonomie an der Fachschule für Werbung und Gestaltung in Berlin und anschließend fünf Jahre Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als junge Redakteurin der Fachzeitschrift »Neue Werbung« übernahm sie 1985 den Aufbau eines Redaktionsarchivs und machte dabei interessante Funde zur Geschichte der Werbung in der DDR. Es folgten jahrelange Recherche, erste Veröffentlichungen zu diesem Thema und 1996 ein Promotionsprojekt an der Hochschule der Künste Berlin, das sie 2001 erfolgreich abschließen konnte. Simone Tippach-Schneider arbeitet seit vier Jahren als freischaffende Publizistin und Ausstellungsmacherin. 1998 erschien im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf ihr Bild-Text-Band »Messemännchen und Minol-Pirol - Werbung in der DDR«Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2004, 448 Seiten, 500 Abbildungen, großformatige Klappenbroschur, 17 x 24 cm, Fadenheftung
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