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Books / Architektur / Zeitschriften / Werk, Bauen & Wohnen / Heft 7/8 - 2006. Gebaute Topographie

Heft 7/8 - 2006. Gebaute Topographie

Bauen verändert die Landschaft. Eine neue Silhouette wird etabliert, das Gelände bald geringfügig angepasst, bald radikal umgedeutet. In der Schweiz, mit ihrem hohen Anteil an Bergen, Flüssen und Seen, gibt es kaum mehr Flächen, die nicht schrittweise umgestaltet und den Zielen der Menschen dienstbar gemacht worden wären. Die touristisch motivierte «Verkabelung der Berge», die schon lange die höchsten und entlegensten Gipfel erreicht hat und bis heute enorme Terrainveränderungen mit sich bringt, ist das vielleicht prägnanteste Zeichen dieses Zivilisationsprozesses, bei dem die Landschaft in eine Kulturlandschaft umgewandelt, das Natürliche mit dem Künstlichen überformt wird. Dieser Prozess ist nie abgeschlossen; er beginnt auf einer neuen Ebene immer wieder von vorne, wozu die nachwachsende Vegetation das Ihre beiträgt: Schon nach wenigen Jahren ist der vorherige Zustand vergessen und das jetzige wird als das «gewachsene» Terrain angesehen. Trotzdem, der zunehmend artifizielle Charakter der Landschaft ist nicht zu übersehen. Hat das Bedürfnis, Bauten als Teil der Topografie erscheinen zu lassen – ein Thema mit vielen Gesichtern, das viel älter ist als der Begriff des Morphing –, mit einer gewissen Wehmut über den unaufhaltsamen Verlust an Ursprünglichkeit zu tun? Mit der Hoffnung, auf diese Weise den genius loci nicht zu vertreiben, sondern zu respektieren oder gar zu stärken? Wir zeigen in diesem Heft aktuelle Bauten, die auf je unterschiedliche Weise eine Symbiose mit der Landschaft anstreben. Ergänzend dazu kommen Beispiele aus dem Tiefbau, die auf die grossmassstäbliche Dimension des Themas der gebauten Topografie hinweisen sowie auf die Allgegenwart solcher Eingriffe: In der Schweiz gibt es zig-tausend Kilometer Stützmauern, Terrassierungen und ähnliche Bauwerke, die allesamt die Landschaft nachhaltig prägen. Bauten, die sich topografisch gebärden, versuchen die Grenze zwischen dem Gebauten und der Landschaft zu verwischen. Sie wollen aber nicht unsichtbar sein; sie spielen mit dem Reiz des Angleichens und Kontrastierens, führen Aspekte der topografischen Situation weiter, unterstreichen sie, ordnen sich unter oder widersetzen sich ihr. Oft wirken solche Bauten wie ein Kommentar, der die topografischen Eigenschaften des Grundstücks erst bewusst macht: die Steilheit des Geländes, die Härte des Felsens, die Künstlichkeit des Grüns usw.. Ein Blick auf die Baustelle zeigt, dass auch bei Entwürfen, die sensibel auf das Terrain eingehen, der Baugrund zunächst einmal verletzt werden muss, bevor er dann mit grossem Aufwand wieder «natürlich» drapiert werden kann. (Die Werk, Bauen und Wohnen Redaktion)

Thema:
Markus Jakob: Delirierende Linien | Die Cidade da Cultura de Galicia in Santiago de
Compostela, von Peter Eisenman
Jorge Almazán: Ein schwebender Garten und ein Wald aus Stahl | Das Green Cultural Center in Tokio vom Atelier Bow-Wow
Anne Wermeille Mendonça: Casa Tóló in Alvite von Álvaro Leite Siza Vieira
Maria Zurbuchen-Henz: Chalet in Crans-Montana von Bonnard Woeffray
Rasmus Wærn: Villa Astrid, Hovås, Göteborg, von Wingårdh Arkitektkontor
Martin Tschanz: Unterführung und Bahnhofplatz Wetteren, Belgien, von Technum
Céline Fuchs: Lavaux, spektakuläre Topografie am Genfersee
Gerhard Stoll: Spaltecken und Bremshöcker als zum Schutz vor Naturgefahren
Jürg Conzett, Marcus Schmid: Von Clavadel nach Sertig Ein Stützmauerkonzept
Nott Caviezel: Topografie ist mein Thema | Centro das Artes Casa das Mudas in Calheta, Madeira, von Paulo David

Forum:
Kolumne: Igor Bauersima
60 EFH: Wohnhaus in Möriken von Ken Architekten
Wettbewerb: Parallelprojektierung für einen Brückenkopf in Wohlen bei Bern
Bauten: Ställe von Localarchitecture und von Georg Schmid, Jonas Wuest und
Zaugg AG
Innenarchitektur: Kronleuchter; traditionelle Lichtobjekte und
Neuinterpretationen
Bücher: Landschaftstheorie. Texte der Cultural Landscape Studies
Ausstellung: China Contemporary im Niederländischen Architekturinstitut NAi, Rotterdam
Tagung: ETH Wohnforum vom 6. April 2006
bauen + rechten: Gleichbehandlung der Stockwerkeigentümer
Ausstellungen | Veranstaltungen | Produkte | Wettbewerbe | Neuerscheinungen

werk-Material:
Georg Schmid, Jonas Wuest, Basel, und Zaugg AG, Rohrbach: Viehscheune Schönenberg, Pratteln BL
Localarchitecture, Lausanne: Etable pour 30 vaches à Lignières NE

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