Books / Architektur / Geschichte & Theorie / The Formal Basis of Modern Architecture
The Formal Basis of Modern Architecture.
Dissertation submitted August 1963 at the University of Cambridge;
facsimile reprint 2006.
Lars Müller überrascht in schöner Regelmäßigkeit mit exquisiten Büchern, Highlights in der unübersehbaren Medienflut. Auch diese Neuerscheinung ist etwas Besonderes: Die Facsimilie-Ausgabe von Peter Eisenmans Doktorarbeit von 1963. Sehr lange hatte Eisenman damit gewartet, diese Arbeit überhaupt zu veröffentlichen. 2005 erschien, herausgegeben von Werner Oechslin, die deutsche Übersetzung, nun ist – nach der Übersetzung – das Original erhältlich. Die gewohnt hervorragende Aufmachung ist, auch das bei Lars Müller selbstverständlich, Ausdruck des inhaltlichen Werts. Der besteht in diesem Fall gegenüber der deutschen Ausgabe zuallererst in der Originalsprache. Ihre Direktheit und Kompromisslosigkeit bildet wie auf einer zweiten Ebene Eisenmans Beweisführung ab, in der die Argumente in hoher Dichte aufeinander folgen – dem wiederum die Präzision der vielen Handzeichnungen entspricht.
Seine Arbeit ist aber keine, die bereits als geschichtliche Arbeit verstanden werden sollte, denn sie schafft Zugang zu Eisenmans aktuellen Arbeiten, und das nicht nur, weil er 2003 ein Buch über Terragni veröffentlicht hat, in dem er auch auf seine Dissertation zurückgegriffen hat. Gewiss war Eisenmans Arbeit von 1963 noch vom Einfluss der Proportionsstudien Le Corbusiers und Wittkowers geprägt, gewiss hat der Computer nicht die Rolle einnehmen können, wie er es in den späteren Arbeiten tat. Und doch verfolgt Eisenman mit der phänomenologischen Argumentation eine Methode, die er auch später nicht aufgegeben, sondern vielmehr radikalisiert hat. Ebenso ist die fast naturwissenschaftliche Methode und Anaylse der Arbeiten von Le Corbusier, Alvar Aalto, Frank Lloyd Wrigth und Giuseppe Terragni in Parallelität zu seinen Versuchen aufschlussreich, sich als Autor und Entwerfer (zumindest als einen, der die Kontrolle behält) zurückzunehmen, um in einem festgelegten Rahmen Leidenschaft sich entfalten zu lassen. Während er in der Dissertation nach einem Weg sucht, der Geschichtlichkeit durch präzise Analysen zu entkommen, ist es später die Bindung an die subjektiven kontrollierten Einflussfaktoren, die er mittels computergestütztem Entwurfsprozess ablegt. Stets ist es eine Suche nach der Frage, was Architektur sein kann, die ihn antreibt, die Frage nach den tieferliegenden Beweggründen und Wesenszügen, den “Konstruktionen” von Architektur. Seine Dissertation ist das erste Ergebnis dieser nicht endenden, faszinierenden Suche.
Christian Holl
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