Books / Architektur / Entwerfen / Architecture: Nature
Selbstverständliche Gewissheiten sind heute in kaum einem Fachgebiet noch zu haben. Auch für die Architektur gilt, dass ihr lange gepflegtes Selbstverständnis ins Wanken geraten ist, und sich Architekten die Frage stellen, wie sie sich in der Gesellschaft verorten und mit Architektur Stellung beziehen können. Es ist stets ein Zeichen einer Neuorientierung, wenn in einer Situation wie dieser nach festen und nicht mehr hinterfragten Größen außerhalb der Architektur gesucht wird, auf die man sich beziehen kann. Philip Jodidio zeigt mit einer Fülle von überwiegend aktuellen Beispielen, dass in der momentanen Situation "Natur" die Rolle einer solchen Bezugsgröße einnimmt. Seine Sammlung ist umso überzeugender, als er in sie nicht nur architektonische Projekte, gebaute wie unrealisierte aufnimmt, sondern neben der Fotografie auch die Landschaftsarchitektur exemplarisch einbezieht. Leo Fabrizios Fotos von als Felsen getarnten schweizer Bunkern sind daher ebenso von Relevanz wie die Verwandlung einer Duisburger Industriebrache in einen Landschaftspark durch Peter Latz.
Auch die Vielfalt, mit der auf Natur rekurriert wird, unterstreicht die dem Buch zugrunde gelegte These, dass es zum wesentlichen Kriterium aktueller Architektur gehört, über die Bedeutung von Natur zu reflektieren. Von postmodernen Formzitaten wie Frank O. Gehrys Fisch für ein Restaurant in Kobe bis zu den Versuchen, natürlichen Prozessen analoge durch den Computer zu simulieren, wie es Peter Eisenman macht, bis zu der Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Dimension des Themas wie von R&Sie bei einem Entwurf für ein Museum in Lausanne reicht die Palette der allerdings nicht systematisch erfassten Projekte.
In einem einleitenden Essay wird der historischen Dimension des Themas mit dem Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert nachgegangen, entsprechend wird auch die Beispielsammlung mit Sullivan, Wright und Aalto begonnen.
Gewiss, wird ein Thema derart weit gefasst und dargestellt, fällt es nicht schwer, Lücken zu entdecken. Aber Vollständigkeit einzufordern, würde den Anspruch an ein solches Buch über Gebühr hoch stellen. Vielmehr muss es doch darum gehen, in der Vielfalt der Ansätze die grundlegende Tendenz nachzuweisen, der weiter nachzuspüren dann der Leser selbst aufgefordert ist – und diesem Anspruch wird das Buch gerecht.
Christian Holl
Verlagstext:
Architektur und Natur gehen seit den Anfängen der Baukunst Hand in Hand. Sei es durch Nachahmung natürlicher Formen oder durch die harmonische oder provokative Einbettung von Bauten in ihre Umgebung. Natürliche Strukturen sind dabei seit jeher eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Architekten, auch für jene, die mit modernsten Computerprogrammen Vorgänge aus der Natur nachahmen. Wachsendes ökologisches Bewusstsein hat vor allem in den jüngsten Jahren den Dialog zwischen Natur und Architektur neu definiert und mit State-of-the-Art-Technologien und -Materialien einzigartige Bauformen nach dem Vorbild der Natur erschlossen. Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichsten Ansätze und präsentiert zahlreiche Bauprojekte rund um den Globus. Das edle Layout und das innovative Thema machen das Werk zu einem echten Trendsetter für Profis und interessierte Laien.
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